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CSU Unternehmer des Jahres soll ins Gefängnis

Nun kam auch das Ende der WeePayment AG für Dauervisionär Cengiz Ehliz

Dienstag, 22 Dezember 2020 23:09
Von Wee und all jenen vollmundigen Ankündigungen durch Cengiz Ehliz und Tilmann Meuser kann man nur enttäuscht sein, glaubt HESSEN DEPESCHE-Redakteur Kevin Massoth. Von Wee und all jenen vollmundigen Ankündigungen durch Cengiz Ehliz und Tilmann Meuser kann man nur enttäuscht sein, glaubt HESSEN DEPESCHE-Redakteur Kevin Massoth. Quelle: Pixabay, Kevin Massoth

München - Noch 2019 feierte die CSU in Bayerns Landeshauptstadt München den türkischstämmigen Vielversprecher Cengiz Ehliz als “Unternehmer des Jahres” (Wir berichteten: https://hessendepesche.de/wirtschaft/cengiz-ehliz,-die-weebusiness-gmbh-und-der-seltsame-preis-zum-bunten-ball-der-csu-münchen.html) und überreichte ihm eine von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unterschriebene Urkunde für seine ‘Vision’ eines Cashback-Systems. Jetzt soll der selbsternannte Visionär für mehr als 3 Jahre ins Gefängnis. Im Februar 2020 verurteilte ihn ein Gericht und drei weitere ehemalige Geschäftspartner von Ehliz in Belgien wegen des Vorwurfs des Betrugs und der Beteiligung an einer "internationalen kriminellen Vereinigung" zu jeweils 30–40 Monaten Haftstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und Ehliz kündigte bereits an, in Berufung zu gehen.

An dem Fall wird bereits seit 2014 ermittelt. Als 41 Betrugsopfer von Ehliz Unternehmen “Flexcom” eine Sammelklage in Belgien stellten, kam der Stein ins Rollen. In einer Presseerklärung schreibt Cengiz Ehliz (wohl über seinen PR-Vertreter Tilmann Meuser) zu seiner Verurteilung: “Das Urteil des Antwerpener Gerichts vom Dienstag, 11. Februar 2020, hat mich unerwartet und persönlich hart getroffen. Dieses Urteil bezieht sich auf gewisse, langjährig zurückliegende Aspekte der Geschäftstätigkeit der Firma Flexcom, richtet sich ausschließlich gegen mich als Privatperson und steht in keinem Zusammenhang mit der heutigen Tätigkeit und Ausrichtung der wee-Gruppe.“

Das ist nicht die erste Niederlage für Ehliz vor Gericht. Auch der Versuch die Berichterstattung über seine fragwürdigen Geschäftspraktiken und ausbeuterischen MLM-Unternehmen zu unterbinden, scheiterte vor dem Landgericht in München.

WeeNexx, wee.com, weeConomy, Swiss Fintec Invest, FlexCom und Cooinx sind nur einige der Ehliz-Unternehmen, über die der dubiose Visionär gerichtlich verhindern wollte, dass über diese kritisch berichtet wird. Auch hier berichtete HESSEN DEPESCHE bereits über Ermittlungen gegen Cengiz Ehliz (https://hessendepesche.de/wirtschaft/staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-cengiz-ehliz-darf-ra-michael-wild-weebusiness-gmbh-vorm-arbeitsgericht-vertreten.html).

Auch der Mythos vom Wee ICO und der Wee Cryptocurrency hing rasch durch.
Natürlich versicherte Cengiz Ehliz, dass seine Verurteilung nichts mit seinem momentanen „Vorzeigeunternehmen„, dem Cashback System Wee zu tun habe. Und das Delisting der Swiss Fintec Invest AG von der Börse gehört wohl zum nebulösen Plan der großen Wee-Vision.

Die Internetseite Landfall-Media berichtete bereits ausführlich über die höchst fragwürdigen Geschäftspraktiken rund um das Delisting der Wee-Aktie (https://landfall-media.de/index.php/2019/07/14/88/). Den sogenannten “weeMarketplaceAccessToken” gibt es aber noch, nur befindet sich dessen Wert ebenfalls in freiem Fall.

Der Hauptverantwortliche für die Wee Kryptowährung Tobias Engelberger, sagte noch stolz bei der Vorstellung des ICO Tokens vor Investoren einen ‘fulminanten Start’ voraus und verlor gänzlich den Bezug zur Realität, als er den meist kleinen Anlegern ohne Fachwissen von einer Wertsteigerung ins Unermessliche berichtete. Von einem kurzfristigen Kurs von mindestens 1€ schwärmte Engelsberger noch im November 2019. ‘Nicht ausgeschlossen’ sei auch in nur einem Jahr einen Wert von 10€ pro Token zu erreichen! Unfassbar, was so alles in den Köpfen mancher selbsternannter Markt-Gurus und Kryptowährungsexperten in nur 12 Monaten möglich erschien. Stand heute, 22.12.2020 wird der in den Himmel gepriesene “weeMarketplaceAccessToken” kurz WMA für noch ganze 0.0011 € gehandelt.

Ebenfalls geschrumpft und kaum noch messbar ist die zuvor groß aufgezogene Social media Präsenz rund um den ICO und die Wee Unternehmen. Hier gibt’s eine riesige mediale Blase, die über die letzten Monate still und heimlich geplatzt ist und Anleger und Investoren wohl fragend zurücklässt. Von dem versprochenen Profit sind außer Hochglanz Videos von toll in Szene gesetzten Wee-Investorenversammlungen, einigen farbenfrohen Broschüren und Flyern nichts geblieben.

Aber die nächste große Ankündigung von Wee und Gründer Cengiz Ehliz steht schon in den Startlöchern: Nicht mehr den Einzelhandel oder Onlinehandel wolle man mit dem Wee-Cashback System ‘revolutionieren’, jetzt mag man das Bezahlen in Stadien und Arenen völlig auf den Kopf stellen… Wie das funktionieren soll? Na mit Wee!

Die Pleite der WeeBusiness GmbH

Wie eine Randnotiz im Dickicht der Wee-Unternehmensstruktur, wirkt da die Meldung von vergangener Woche, dass die in Bayern angesiedelte WeeBusiness GmbH nun in Insolvenz ist. Am 10.12.2020 fällte das Amtsgericht München eine Entscheidung im Falle WeeBusiness GmbH und stellte das Unternehmen unter eine Insolvenzverwaltung. Auch BAYERN DEPESCHE berichtete hier ebenfalls Anfang Dezember über eine drohende Pleite des Unternehmens (https://bayern-depesche.de/wirtschaft/wee-for-sale-gehen-beim-csu-unternehmer-des-jahres-cengiz-ehliz-die-lichter-aus.html).

Zuvor verließ Ehliz noch schnell das sinkende Schiff, so hinterließ es zumindest der Eindruck, und trat als Geschäftsführer zurück. Sein langjähriger Geschäftspartner und gut vernetztes CSU-Mitglied Richard Schaurich übernahm die Leitung und stellte kurz darauf den Insolvenzantrag. Hohe Umsatzsteuerschulden werden kolportiert.

Aber im Visionärssprech sei das alles selbstverständlich kein Zeichen einer unsoliden und vielleicht sogar kriminellen Unternehmensstruktur, versichert Pressesprecher und Ehliz-Intimus Tilmann Meuser in einer knappen Stellungnahme. Die in München ansässige WeeBusiness GmbH sei nur eine Dienstleistungsgesellschaft und verlängerte operative Werkbank. Deren Insolvenz sei sogar notwendig gewesen, weil neue Investoren fehlten. Eine genauso fadenscheinige Begründung wie zuvor bei der Verurteilung Ehliz’ wegen Betruges.

Wenig seriös wirkt da auch das Auflösen der Büroräume und Abverkauf von Möbeln der WeeBusiness GmbH in München über eine Anzeige auf Facebook: “Super gute Büromöbel mega günstig abzuholen”, Bürotisch 15€ das Stück, Bürostühle und Rollcontainer je 10€, Garderobenständer 5€ und Monitore je 15€, Zustand: so gut wie nie benutzt.

Auch die WeePayment AG ist gefallen

Und nun geht’s auch im Ausland weiter: Die einst hoch gerühmte WeePayment AG im Fürstentum Liechtenstein wurde dieser Tage still und heimlich liquidiert.

Unter Investoren laufen bereits Wetten, für welchen wee-Ableger Richard Schaurich als Nächstes Insolvenz anmelden darf.

Letzte Änderung am Mittwoch, 23 Dezember 2020 00:17
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