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Auch Versicherungskonzern Allianz sieht gefährliche Lage

Konjunkturumfrage der IHK Wiesbaden: Geschäftsklimaindex stürzt ab!

Samstag, 20 Juni 2020 12:22

Wiesbaden - Der von der IHK Wiesbaden für ihren Zuständigkeitsbereich erhobene Geschäftsklimaindex ist mit 64 Punkten auf den niedrigsten Wert seit Durchführung der repräsentativen Umfrage gefallen. Im Vergleich zu Jahresbeginn sank der Wert um 52 Punkte und hat sich damit fast halbiert. Der 15-jährige Punktedurchschnitt lag bei 121 Punkten. 100 Punkte auf dem Geschäftsklimaindex gelten als Schwelle, ab der mit Wirtschaftswachstum zu rechnen ist.

Jedes dritte Unternehmen könnte Arbeitsplätze abbauen müssen

Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK, äußerte im IHK-Mitgliedermagazin „Hessische Wirtschaft“ hierzu, dass sowohl Dimension als auch Schnelligkeit des Einbruchs historisch einmalig seien. Die lokalen Betriebe würden nicht nur ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als schlecht einschätzen, sondern für die nächsten Monate eine weitere Verschlechterung erwarten. Jedes dritte Unternehmen geht davon aus, bei der Belegschaft Einsparungen vornehmen zu müssen.

Prof. Dr. Götting lobt zwiespältigen Digitalisierungsschub

Einzig positiv sei, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Wiesbaden Prof. Dr. Friedemann Götting, dass sich ein Innovations- und Digitalisierungsschub abzeichne. Keine Erwähnung findet allerdings der Umstand, dass selbiger natürlich Hand in Hand mit dem ohnehin schon absehbaren Abbau von Arbeitsplätzen gehen wird.

Leisere Töne beim Thema Zuwanderung

Immerhin scheint die IHK bei ihren in den letzten Jahren stets erhobenen Forderungen nach mehr Einwanderung von Arbeitern aus dem Ausland leisere Töne anzuschlagen. Ein kurzes IHK-Positionierungspapier zu den Forderungen nach der Corona-Krise legt unter dem Punkt „Fachkräfte im Blick behalten“ das Augenmerk eher auf die bessere Aus- und Weiterbildung der bereits hier lebenden Menschen. Eine Forderung, die Kritiker schon lange vor Corona erhoben haben. Weitere Rezepte der IHK Wiesbaden gegen die Corona-Wirtschaftskrise lauten: Liquidität der lokalen Betriebe sicherstellen, Innenstädte stärken und Digitalisierung staatlich unterstützen.

Studie: 20 Prozent der Kurzarbeiter droht 2021 womöglich Arbeitslosigkeit

Anfang Juni hatte die für Hessen zuständige Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitsanträge für knapp 840 000 Menschen erfasst - weit mehr als im Krisenjahr 2009. Einer Studie des Finanz- und Versicherungskonzern Allianz zufolge sind 20 Prozent der derzeitigen Kurzarbeiter einem erhöhten Risiko ausgesetzt, ihren Arbeitsplatz 2021 zu verlieren.

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