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Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) besucht Frankfurter Flughafen

Fraport-Chef Stefan Schulte: „Der Brexit als Chance“

Mittwoch, 05 Juli 2017 17:29
Hessens Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) und Fraport-Chef Stefan Schulte Hessens Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) und Fraport-Chef Stefan Schulte Quelle: Fraport AG

Frankfurt am Main – Hessens Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) und der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Stefan Schulte, haben sich zu einem Gespräch über Rahmenbedingungen und mögliche Auswirkungen des Brexits für den Frankfurter Flughafen getroffen. Dabei zeigte sich Schulte optimistisch, dass das Verkehrsaufkommen am Frankfurter Flughafen von möglichen Verlagerungen aus London an den Finanzplatz Frankfurt profitieren könne. „Frankfurt ist durch seine starke Finanzindustrie, die optimale Verkehrsanbindung und Infrastruktur sehr gut aufgestellt und muss sich im europäischen Wettbewerb nicht verstecken“, so der Fraport-Chef.

Der Frankfurter Flughafen spiele hierbei eine wichtige Rolle. „Wir sind das weltweit führende Drehkreuz in Bezug auf die Interkonnektivität, also die Anzahl an Verbindungen, und bieten dem Standort Frankfurt eine optimale Anbindung an die globalen Finanzzentren. Mit Blick auf unsere Infrastruktur, die geplanten Kapazitätserweiterungen und das Flugangebot sind wir gut vorbereitet, um mögliche zusätzliche Verkehre abzuwickeln“, versicherte Schulte der Ministerin.

Lucia Puttrich ergänzte: „Die Landesregierung hat sehr früh auf das Brexit-Referendum reagiert und arbeitet daran, dass Hessen die sich daraus ergebenden Chancen nutzen kann. Die Früchte ernten wir jetzt, wo die ersten Unternehmen ihre Standortentscheidungen für Frankfurt bekanntgeben.“ Um die Risiken des Brexits zu minimieren, benötigten Menschen und Unternehmen insbesondere Rechtssicherheit und Klarheit über die Ausgestaltung der künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union.

Wie die künftigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien mit Blick auf den Luftverkehr geregelt werden, ist derzeit noch völlig offen und wird maßgeblich durch die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU bestimmt. Sollte es keine entsprechenden Vereinbarungen geben, wird Großbritannien nach einem Ausscheiden aus der EU nicht mehr am einheitlichen EU-Luftverkehrsmarkt teilnehmen. Die bestehenden Verkehrs- und Marktzugangsrechte würden entfallen. Betroffen hiervon wären in erster Linie Großbritannien sowie dort ansässige Fluggesellschaften. Der britische Luftverkehrssektor ist der größte Europas und der drittgrößte der Welt. Schätzungen von ACI EUROPE zufolge profitieren 285.000 Arbeitsplätze in der EU vom offenen Zugang zum Luftverkehrsmarkt.

Fraport-Chef Schulte bekräftigte in diesem Zusammenhang, dass der EU-Binnenmarkt „eine der großen Errungenschaften der Europäischen Union“ sei. „Die Schaffung eines einheitlichen EU-Luftverkehrsmarkts rund um die Jahrtausendwende war der Anstoß für eine sehr dynamische Entwicklung der Branche. Unternehmen und Verbraucher profitierten von einem erweiterten Angebot, einer höheren Erreichbarkeit und Mobilität sowie gesunkenen Preisen. Der Luftverkehr trägt durch Geschäftsreiseverkehr, Fracht und Ferienflüge erheblich zur Wertschöpfung in ganz Europa bei. Liberale Märkte sind und bleiben Grundvoraussetzung für den Wohlstand in Europa“, so der Chef des Frankfurter Flughafenbetreibers.

Nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union seien Anschlussabkommen nötig, deren Verhandlungen sich über Jahre hinziehen könnten. Wegen der besonderen Bedeutung der Luftfahrtbranche und insbesondere des Frankfurter Flughafens für Hessen und die Region Rhein-Main will die Landesregierung während der Brexit-Verhandlungen alle Aspekte, die diesen Komplex betreffen, sehr genau beobachten und bei Bedarf über ihre Kanäle in Brüssel und Berlin dazu Stellung nehmen.

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