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SPD stört sich an „Leitkultur“-Orientierung des AfD-Antrags

Offenbach am Main: AfD-Initiative zur Wahrung christlicher Traditionen in Kitas abgelehnt

Dienstag, 22 November 2016 21:52
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Offenbach am Main - Die AfD-Fraktion ist am Donnerstag in der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung mit einem Antrag zur „Pflege christlich-abendländischer Traditionen in städtischen Erziehungseinrichtungen“ gescheitert. Die AfD-Stadtverordneten wollten vom Magistrat erfragen, ob wegen des steigenden Anteils von Kindern „moslemischen Glaubens“ in örtlichen Kitas auf traditionelle Weihnachtsbräuche verzichtet werde.

Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) erklärte, dass Christbäume, Weihnachtslieder und Nikolaus-Besuche weiterhin fester Brauch in den Kitas seien und bei Eltern und Kindern konfessionsübergreifend beliebt seien. Die vor zehn Jahren entstandene Unsicherheit im Zusammenhang mit einem Martinsfest sei längst ausgeräumt. In dieselbe Kerbe schlug die CDU-Stadtverordnete Anja Fröhlich mit dem Hinweis, dass die Offenbacher Martinsfest-Irritationen des Jahres 2006 nichts mit der Gegenwartssituation zu tun hätten.

Erwartungsgemäß sah das die AfD-Fraktionschefin Christin Thüne-Dunleavy anders und sagte, dass es zumindest in einer Kindertagesstätte Probleme mit der Pflege heimischer Weihnachtstraditionen gebe.

Gewohnt polemisch reagierte die SPD auf den AfD-Antrag, der den Geist einer „unerträglichen Leitkultur“ atme. Die SPD-Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Heike Habermann kanzelte den Antrag als fremdenfeindlich ab und bezweifelte, dass das Aufstellen eines Christbaums überhaupt etwas mit abendländischer Kultur zu tun habe. In einer Stadt, in der bis zu 80 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen einen Migrationshintergrund hätten, müsse in städtischen Einrichtungen auf alle Religionen und Traditionen Rücksicht genommen werden.

Für den Antrag stimmten schließlich nur die AfD-Stadtverordneten und der Vertreter der Republikaner. Auch die beiden derzeit fraktionslosen und vormaligen AfD-Stadtverordneten Gerrit Köhler und Frank Gercke verweigerten ihre Zustimmung.

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