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Grüne und Deutsche Umwelthilfe wollen ein Ende des Brauchs

Schwerverletzte dank illegalen Böllern: Feuerwerksverbot wohl kein Erfolg

Montag, 04 Januar 2021 14:59

Berlin - Bundesweit waren schon aussichtsreiche Klagen gegen das Verkaufs- und teilweise sogar Mitführ- und Abbrennverbot von Feuerwerkskörpern anhängig, als Innenminister Horst Seehofer (CSU) in der letzten Sekunde die Reißleine zog und die „Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz“ dergestalt änderte, dass im Jahr 2020 auch nach ihr zumindest ein Verkaufsverbot für Feuerwerk der Kategorien F1 (Wunderkerzen und ähnliches) und F2 (handelsübliche Böller und Raketen) vorgesehen war. Nur wenige Tage später kippte das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht als erstes deutsches Gericht dann das dort herrschende, besonders strenge Mitführ- und Abbrennverbot und ließ wenig Zweifel daran erkennen, dass dieses Schicksal auch dem Verkaufsverbot gedroht hätte, wäre nicht die Änderung der „SprengV“ erfolgt.

Abbrennverbote für Feuerwerk wurden vor Gericht gekippt – nur der Verkauf war verboten

Die Corona-Rechtsverordnungen auf Basis des Infektionsschutzgesetzes boten nämlich keine geeignete Rechtsgrundlage für derartige Maßnahmen. Es waren keine infektionsschutzrechtlichen Gründe erkennbar, warum unter Einhaltung der AHA-Regeln ein Familienvater nicht auf seinem Grundstück das Neujahr mit Raketen begrüßen hätte dürfen sollen. Insbesondere das immer wieder gehörte Argument, man müsse die Intensivstationen entlasten, entbehrte bei näherer Betrachtung jeder Grundlage. So ergab etwa eine Kleine Anfrage von Katharina Schulze (Grüne) im bayerischen Landtag, dass in der Silvesternacht 2019/2020 in ganz Bayern gerade einmal 25 Personen durch Feuerwerkskörper verletzt wurden. Ob davon überhaupt jemand auf die Intensivstation musste, oder ob es sich um ambulant behandelbare, kleinere Verletzungen gehandelt hat, ist unklar. Letzteres ist jedoch wahrscheinlich, geht von Feuerwerkskörpern der Kategorie F1 laut Sprengstoffgesetz doch ein „sehr geringes“ und von Feuerwerkskörpern der Kategorie F2 ein lediglich „geringes“ Risiko aus. Deutsches Feuerwerk ist also geprüft, sicher und sprengt insbesondere keine Gliedmaßnahmen weg – selbst bei kleineren Anwendungsfehlern.

„Polenböller“ mit Blitzknallsatz-Mischungen als gefährlicher Ersatz

Ganz anderes gilt für illegal aus dem Ausland importierte Ware: Hier wird scharfer Sprengstoff – so genannter Blitzknallsatz – verbaut und die Qualitätsprüfung ist fraglich. Zu früh explodierende Böller können hier tatsächlich zu schwersten und sogar tödlichen Verletzungen führen. Schon im letzten Jahr waren etwa ein Drittel der gesamten Verletzungen in der nordrhein-westfälischen Stadt Hagen an Neujahr auf illegale Feuerwerkskörper zurückzuführen. Umso besorgter waren kritische Stimmen, als Bund und Länder das Feuerwerksverbot erließen. Die Befürchtung: Gerade in Ostdeutschland würden viele einfach über die Grenze fahren und „Polenböller“ kaufen. Diese Befürchtungen scheinen sich im Nachhinein nun bewahrheitet zu haben. In diesem Jahr gab es dramatische Verletzungen und sogar Todesfälle mit illegalem Feuerwerk und selbstgebauten Feuerwerkskörpern. Zumindest in einigen Fällen dürfte die Ursache klar sein: Es durften keine sicheren, geprüften Feuerwerkskörper gekauft werden, deshalb wurde für dubiosen Ersatz gesorgt!

Schwerverletzte und Tote mit illegalem Feuerwerk

In Schleswig-Holstein verletzte sich noch vor Silvester ein 19 Jahre alter Mann schwer bei dem Versuch, selbst Böller herzustellen. Er wird immer noch in einer Spezialklinik behandelt. In Brandenburg verlor ein 63-jähriger durch „Polenböller“ eine Hand. In Osnabrück wurden drei 20, 21 und 26 Jahre alte Männer beim Bau von Feuerwerkskörpern schwer verletzt – einer verlor Körperteile und schwebt in Lebensgefahr. In Dortmund zog sich ein junger Mann Verbrennungen auf einem Viertel seiner Körperfläche durch das Hantieren mit illegalen Feuerwerkskörpern in einer Garage zu. In Brandenburg verlor ein 24-jähriger Mann an Neujahr beim Hantieren mit gefährlichen Feuerwerkskörpern sogar sein Leben.

„Deutsche Umwelthilfe“ und Grüne wollen Feuerwerk generell verbieten

Klar ist jedoch auch: Zu Verletzungen mit illegalem Feuerwerk kam es auch in anderen Jahren. Eine genaue Rechnung wird daher keiner aufmachen können. So oder so ist das diesjährige fast vollständige Verbot der in Deutschland seit dem 16. Jahrhundert bestehenden Tradition jedoch ein trauriges Ereignis. Die Deutsche Umwelthilfe und auch Politiker der Grünen stehen schon jetzt in den Startlöchern, um der verhassten Feuerwerkstradition auch in den nächsten Jahren endgültig den Garaus zu machen. Für das Silvester-Feuerwerk haben sich hingegen in diesem Jahr nur zwei Parteien ausgesprochen: AfD und FDP.

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