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Hauptsiedlungsgebiete im Norden des Iraks

Paruar Bako kämpft für eine Zukunft für die Jesiden

Freitag, 29 Oktober 2021 18:08
Paruar Bako macht sich für eine Zukunft der Jessiden im nördlichen Irak stark Paruar Bako macht sich für eine Zukunft der Jessiden im nördlichen Irak stark

Mossul - Die Jesiden sind eine weltweit etwa eine Million Mitglieder umfassende religiöse und ethnische Minderheit. Ihre ursprünglichen Hauptsiedlungsgebiete liegen in Nordmesopotamien im nördlichen Irak, in Nordsyrien und in Südostanatolien. Nach Deutschland kamen die ersten Jesiden 1964 als Gastarbeiter. Angaben über die Anzahl der heute in Deutschland lebenden Jesiden schwanken zwischen 200.000 und 400.000. Der Grund für die Unklarheiten liegt vermutlich darin, dass viele Jesiden, die sich nicht als solche identifizierten,nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nach Deutschland kamen. Hinzu kommt ihre hohe Integrationsfähigkeit und -Bereitschaft sowie eine starke Bildungsaffinität.

Im August 2014 rückten die Massaker des Islamischen Staates die Jesiden in den Fokus der Weltöffentlichkeit.

Die meisten von uns werden sich noch an die Bilder von zu Fuß in das Sindschargebirgefliehenden Menschen erinnern: Kinder, Frauen und Greise, die dort bei brütender Hitze bis zu zwei Wochen ohne Wasser und Nahrung und in ständiger Angst um ihr Leben verharren mussten.Viele von ihnen verdursteten, unzählige starben an Erschöpfung oder wurden von den Schergen des IS eingeholt und brutal ermordet.

Die Situation der Jesiden in den Flüchtlingslagern

Die Jesiden, denen die Flucht nach Kurdistangelang, leben seit mittlerweile über sieben Jahrenin bitterster Armut unter ärmlichen Bedingungen und von der Weltöffentlichkeit vergessen in provisorischen Zeltlagern. Im Sommer herrschtbrütende Hitze, im Winter ist es kalt und nass. Sanitäre Anlagen gibt es kaum. Bis heute sind ca. 3000 jesidische Frauen verschollen. Wahrscheinlich leben sie als Sexsklavinnen in den Restgebieten des Islamischen Staates.

Die meisten der in den Zeltlagern lebenden Jesiden müssen mit 10,- € im Monat zurechtkommen, wer es kann, versucht, sich als Tagelöhner zu verdingen.

Wie geht das?

Tatsächlich geht es überhaupt nicht. Viele Jesiden geben nach dieser langen Zeit des Wartens und Hoffens auf. In den Lagern ereignen sich täglichSuizide, Tendenz steigend. Immer mehr Kinder werden zu Waisen.

Paruar Bako und "Our Bridge"

Dem entgegenzutreten ist das Ziel des Oldenburger Jesiden Paruar Bako und seiner Organisation "Our Bridge".

Seit 2018 betreibt Bako im jesidischen Dorf Khanke (Irakisch Kurdistan) eine Schule für jesidische Waisenkinder. Das in der Nähe des Tigris gelegene Haus nannte er "Harman" (das, was bleibt). In die Schule kommen aber auch jesidische Kriegswitwen, um Handarbeiten zu verrichten und Gedanken auszutauschen. Erst vor wenigen Wochen wurde die Schule um einen Kindergarten erweitert.

Die Bilder von den ins Gebirge fliehenden Jesiden, die 2014 im Fernsehen gezeigt wurden, ließen Paruar Bako damals kurzentschlossen in das Kriegsgebiet reisen. Dort ließ ihm das ungewisse Schicksal der vielen Waisenkinder keine Ruhe. Am 26. August 2017 schließlich wurde er als 23jähriger zum jüngsten Waisenhausgründer und -Betreiber der Welt.

Paruar Bako selbst hat sich im Verlauf dieses Jahres aus dem operativen "Geschäft" zurückgezogen, um sich neuen Aufgaben widmen zu können.

Ein Geschäft im kommerziellen Sinn ist es natürlich nicht. Vielmehr ist das Projekt auf die Unterstützung von Spendern und Sponsoren angewiesen. Wer Paruar Bako fragt, worum es bei seinen neuen Aufgaben und Zielen geht, erhält vorerst keine präzise Antwort. Angesichts der volatilen und angespannten Lage vor Ort bittet Paruar Bako um Verständnis. Nur damit,dass es um grundlegende Veränderungen innerhalb der jesidischen Gemeinschaft geht, rückt er heraus.

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