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Politik in Lockdowns selbstverliebt

IHK Wiesbaden: Sabine Meder wettert gegen Dauer-Lockdown

Sonntag, 14 Februar 2021 11:17
Sabine Weder ist Hauptgeschäftsführerin der IHK Wiesbaden Sabine Weder ist Hauptgeschäftsführerin der IHK Wiesbaden

Wiesbaden - Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Wiesbaden, Sabine Meder, hat im IHK Magazin „Hessische Wirtschaft“ die Corona-Politik der Bundesregierung kritisiert. Man könne im Kampf gegen Corona „nicht nur auf den nächsten Lockdown und immer wieder neue Verschärfungen setzen“, so die Wirtschaftsfunktionärin wörtlich. Es sei schon längst 5 nach 12 für die „verlorene Generation“ von Schülern, die nicht in die Schule dürften, für zahlreiche Unternehmer am Rande der Pleite und Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz verloren hätten oder seit Monaten in Kurzarbeit seien.

Sabine Meder (IHK) will das Augenmerk auf Bildung legen

Gerade in Hinblick auf den Fachkräftemangel – der vornehmlich in dualen Ausbildungsberufen besteht – befürchtet Meder, dass dieses Problem „uns als Bumerang mit voller Wucht treffen“ wird, sobald die Corona-Krise einmal bewältigt ist. Bildung sei daher gerade jetzt das A und O.

Harte Worte auch von anderen Wirtschaftsvertretern

Neben Sabine Meder und der IHK kritisieren immer mehr Wirtschaftsvertreter und -verbände die Lockdown-Verlängerung in bislang ungekannter Schärfe. Der Geschäftsführer der Mecklenburg-vorpommerschen Unternehmervereinigung VU, Sven Müller, bezeichnete die Lockdown-Verlängerung gar als den letzten „Sargnagel, gerade für die kleineren Betriebe des Handwerks, des Einzelhandels sowie der Gastronomie/Hotellerie.“

Unschlüssige FDP mit wechselnden Positionen

Zwischen Wirtschaft und Politik ist eine zunehmende Entfremdung festzustellen: Gerade mit SPD und Union erscheint das wirtschaftspolitische Tischtuch als zerschnitten. Als Lockdown-kritische parlamentarische Sparring-Partner verbleiben nur noch AfD und FDP. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat jüngst die pauschale Lockdown-Verlängerung als „unverhältnismäßig“ kritisiert und regionale Regelungen vorgeschlagen. Doch Lindner und die FDP haben ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem: In Sozialen Medien kursieren schon Collagen von Zeitungsartikeln aus Dezember 2020 und Februar 2021, in denen Lindner wahlweise Sonderrechte für Geimpfte harsch ablehnt oder lautstark einfordert. Ein weiteres Beispiel ist der frischgebackene FDP-Generalsekretär Volker Wissing, der bisweilen in seiner Parteifunktion lautstark Lockerungen forderte, während er gleichzeitig selbst als Mitglied der rheinland-pfälzischen Landesregierungen Verschärfungen mitbeschloss.

Punktet AfD bei Lockdown-Gegnern?

Anders die AfD, die nach kurzzeitigen Kapriolen zu Beginn der Corona-Krise bereits seit Monaten konsequent gegen den Lockdown votiert und mittlerweile auf Bundesebene ein einheitliches Corona-Konzept und gemeinsame Stellungnahmen der Gebietsverbände zu aktuellen Entwicklungen vorgelegt hat. Tenor: Schutzmaßnahmen ja und zwar besonders für die Alten, aber kein Lockdown. Ob es ihr damit gelingt, bei dem Gros der Corona-Verlierer zu punkten, wird sich spätestens am 14. März bei den hessischen Kommunalwahlen sowie den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zeigen.

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