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Kommunalwahl 2021

Rodgau: HESSEN DEPESCHE sprach mit Martina Sertic

Dienstag, 09 März 2021 23:45 geschrieben von  Kevin Massoth
Martina Sertic Martina Sertic Quelle: FDP Rodgau

Rodgau - Am 14. März 2021 werden in den hessischen Städten und Kreisen neue Abgeordnete gewählt. Eine besondere Rolle nehmen dabei weibliche Kandidatinnen der zur Wahl stehenden Parteien ein.

HESSEN DEPESCHE sprach mit drei aufstrebenden jungen Kandidatinnen aus drei Parteien über ihre Kandidatur in der Stadt Rodgau und ihren Zielen.

In diesem Artikel behandeln wir das Interview mit Martina Seric, die am 14. März für die FDP in Rodgau antritt. Martina Sertic ist 34 Jahre alt, gelernte Juristin und Mitarbeiterin der hessischen Bundestagsabgeordneten Bettina Stark-Watzinger, der Parlamentarischen Geschäftsführerin der FDP-Bundestagsfraktion. Martina Sertic übernahm zuletzt den Vorsitz der FDP Rodgau und tritt dieses Jahr das dritte Mal für das Stadtparlament in Rodgau an.

HESSEN DEPESCHE: Warum bist Du politisch aktiv geworden? Warum ausgerechnet in der FDP?

Martina Sertic: Mitglied der Freien Demokraten bin ich erst spät geworden, ein politischer Mensch war ich aber schon immer. Angefangen habe ich 2009 bei dem Wahlverein “Zusammen mit Bürgern“, den ich 2016 verlassen musste, um mit Blick auf die Entwicklung dieser Stadt weiterhin in den Spiegel schauen zu können. Der Weg zur FDP, der einzigen Partei der demokratischen Mitte, war klar. Denn schon bei meinem allerersten Wahlomat kam die FDP raus, was mich zunächst verwundert hatte. Aber die FDP ist nicht elitär und steif, sondern setzt sich für  Eigenverantwortung, Vernunft und Chancengerechtigkeit sowie Digitalisierung ein.

HESSEN DEPESCHE: Welchen Hindernissen bist Du als weibliche Kandidatin im Wahlkampf oder deiner Partei begegnet?

Martina Sertic: Bei den Freien Demokraten wurde ich als weibliches Mitglied sehr positiv aufgenommen. Die FDP ist eine moderne und weltoffene Partei. Bei uns ist es selbstverständlich, dass Frauen auf allen Ebenen gefördert werden. Bei der ZmB musste ich das anderes erfahren. Hinter meinem Rücken wurde häufig eine abwertende Bezeichnung für mich verwendet. Und das geschah tatsächlich vor allem durch ältere Mitglieder, die den Platz einer Frau eher im sogenannten “Vergnügungsausschuss“ des Vereins gesehen haben als bei der inhaltlichen Arbeit in der Fraktion.

HESSEN DEPESCHE: Wofür willst Du dich politisch in der Stadt Rodgau stark machen? Welche persönlichen Erfahrungen bringst Du als Kandidatin mit, die dich hervorheben?

Martina Sertic: Ich würde mich freuen weiterhin im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Bau tätig zu werden, dem ich in den vergangenen Jahren als Vorsitzende angehört habe. Ich bin davon überzeugt, dass dies eines der drängendsten Themen unserer Zeit ist. Es fehlt zunehmend an bezahlbarem Wohnraum im Ballungsraum Rhein-Main und so auch in Rodgau und es wird immer schwieriger für junge Familien sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Dabei wäre dies die besten Altersvorsorge. Eine gute und verträgliche Balance zwischen notwendiger Stadtentwicklung und dem Erhalten des Rodgauer Kleinstadtcharmes ist eine Herausforderung. Nachhaltigkeit, Sozialverträglichkeit und Zukunftsfähigkeit sind dabei die wichtigsten Orientierungspunkte. Ich bin ebenfalls Mitglied des Bauausschusses des Hessischen Städtetags, wo ich im direkten Austausch mit Bürgermeistern, Stadträten und Stadtverordneten anderer Kommunen bestätigt bekomme, dass wir alle dieselben Probleme haben. Nur traut sich kaum eine Stadt es so anzugehen wie Rodgau! Denn man bekommt viel Gegenwind, wenn man neue Wohngebiete entwickeln will. Der Mensch scheut sich vor Veränderungen. Aber man spürt auch die Dankbarkeit derjenigen, die händeringend nach Wohnraum suchen und liebend gerne in unserem schönen Rodgau bleiben würden.

HESSEN DEPESCHE: Wer ist dein Vorbild, was ist deine Motivation? Wer oder was hat dich am meisten politisch beeinflusst?

Martina Sertic: Mein größtes Vorbild ist mein Vater, der mit neun Jahren und mit nichts in der Tasche nach Deutschland geflohen ist und sich mit viel Fleiß und Disziplin viel aufgebaut hat. Unsere Eltern haben uns gelehrt, wie wichtig diese Eigenschaften sind und uns alle wichtigen Werte mit auf den Weg gegeben, sodass mein Bruder und ich als erste in unserer Familiengeschichte studieren konnten. Quasi das gelebte deutsche Aufstiegsversprechen. Deshalb kämpfe ich für genau das: für Chancengerechtigkeit und beste Bildung für alle.

Politisch beeinflusst haben mich zudem viele außergewöhnliche Menschen aus meinem politischen Umfeld. Vorneweg Hermann Jäger und Heino Reckließ, zwei Urgesteine der Kommunalpolitik in Fodgau, von denen ich viel lernen konnte. Aber auch meine Chefin Bettina Stark-Watzinger, eine richtige Powerfrau mit großer Zukunft.

HESSEN DEPESCHE: Worauf bist Du in Rodgau besonders stolz? Was macht die Stadt deiner Meinung nach besonders Lebenswert?

Martina Sertic: Mit meinen kroatischen Wurzeln bin ich von Natur aus patriotisch und daher natürlich auch stolz Rodgauerin zu sein. Vor allem der Zusammenhalt der hiesigen Bürgerinnen und Bürger ist etwas ganz Besonderes. Trotz der vielen Einwohner kennt hier doch jeder jeden und alle sind füreinander da. Vor allem die Menschen sind es, die Heimat ausmachen.

HESSEN DEPESCHE: Was läuft deiner Meinung nach in Rodgau nicht gut? Was würdest Du in der Stadt verändern wollen - wenn du könntest?

Martina Sertic: Ich finde, sehr vieles läuft in Rodgau wirklich gut! Insbesondere im Bereich der Kinderbetreuung, die hessenweit ein großes Problem darstellt, ist Rodau im kreisweiten Vergleich am besten aufgestellt. Aktuell befinden sich 19 weitere Gruppen im Bau.

Was mich in Rodgau stört, ist die Parksituation. Viele Anwohner parken nicht auf ihren Grundstücken, sondern im öffentlichen Raum, was das Durchkommen sowohl zu Fuß als auch mit Auto an vielen Stellen erschwert. Leider sind die Handlungsmöglichkeiten der Stadt hier stark begrenzt. Was man allerdings tun könnte, ist das Parken auf Gehsteigen zu ahnden und somit an besonders kritischen Stellen Abhilfe zu schaffen. Ich möchte mich außerdem dafür einsetzen sogenannte Quartiersgaragen im gesamten Stadtgebiet zu schaffen, in denen sich Parkplätze versammeln. So können Wohnstraßen vom ruhenden Verkehr befreit werden.

Worüber ich mich außerdem regelmäßig ärgere, ist die Vermüllung an diversen öffentlichen Orten. Hier sollte ebenfalls härter durchgegriffen werden.

HESSEN DEPESCHE: Welche Lehren hast Du aus der Corona-Pandemie gezogen? Was möchtest Du dem Wähler noch mit auf den Weg geben?

Martina Sertic: Corona hat uns vor Augen geführt, wie wichtig es ist, auch im Bereich der Bildung digitale Strukturen auszubauen. Rodgaus Kitas sind hierbei glücklicherweise sehr gut aufgestellt. In den Schulen sieht es leider anders aus. Das führt dazu, dass gerade diejenigen abhängt werden, die es generell besonders schwer haben. Da ich auch für den Kreistag des Landkreises Offenbach kandidiere, möchte ich mich dort u.a. für die Digitalisierung an Schulen stark machen.

Auch die Flexibilisierung und Digitalisierung von Arbeit ist ein wichtiger Aspekt. Private Unternehmen haben schon zu Beginn der Corona-Krise blitzschnell reagiert und ihre Mitarbeiter ins Home-Office geschickt. Was in der Privatwirtschaft funktioniert, muss auch in der Verwaltung möglich sein.

HESSEN DEPESCHE: Zum Schluss hast Du noch einmal die Möglichkeit ein kurzes, persönliches Statement abzugeben.

Martina Sertic: Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben verändert und wir werden noch lange mit verschiedensten Folgen zu kämpfen haben: Ob mit gesellschaftlichen, sozialen oder wirtschaftlichen. Damit Rodgau aus dieser Krise gestärkt hervorgeht, braucht es Mut. Es braucht Zuversicht und eine Stadtgesellschaft, die auch in schweren Zeiten zusammensteht. Es braucht aber auch Erfahrung und Politik mit Herz und Verstand.

Die Freien Demokraten standen die letzten 20 Jahre in Rodgau in Verantwortung. Wir haben vielfach positive Veränderungen angestoßen und umgesetzt. Dabei waren wir immer bedacht das Gute zu bewahren. Wir sind entschlossen auch in schwierigen Zeiten Verantwortung zu übernehmen. Lassen Sie uns gemeinsam die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft schaffen und geben Sie bei der Kommunalwahl 2021 Ihre Stimmen der FDP.

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