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Publiziert in Äppelwoi & mehr

Behörden fürchten neue Eskalation des Rocker-Kriegs

Ist der Kölner Drogen- und Bordellbaron Necati Arabaci der Kopf der „Osmanen Germania“?

Donnerstag, 25 Februar 2016 21:16
Ist der Kölner Drogen- und Bordellbaron Necati Arabaci der Kopf der „Osmanen Germania“? Ist der Kölner Drogen- und Bordellbaron Necati Arabaci der Kopf der „Osmanen Germania“?

Frankfurt am Main – Wie HESSEN DEPESCHE aus Sicherheitskreisen erfuhr, soll hinter den „Osmanen Germania“ die ehemalige Hells-Angels-Größe Necati Arabaci stehen – ein türkischstämmiger Schwerstkrimineller und Rotlicht-Geschäftsmann aus Köln, der seit einem Streit mit dem inzwischen inhaftierten „Höllenengel“ Frank Hanebuth abgetaucht ist und mit EU-Haftbefehl gesucht wird. Arabaci soll über Mittelsmänner Bordelle in ganz Europa betreiben und darüber hinaus im internationalen Drogenhandel tätig sein.

Der türkisch dominierte Rockerclub „Osmanen Germania“ hat in einem bei YouTube veröffentlichten Video angekündigt, das Land zu „übernehmen“. Man wolle „bis zum letzten Tropfen Blut“ kämpfen, tönt darin ein bulliger Südländer zu aggressiver Rap-Musik und bekundet, die Mitglieder der Gang seien stets bereit, „sich für ihre Brüder eine Kugel zu fangen“. Um ihre Aussagen zu unterstreichen, blenden die „Osmanen“ Spielfilmszenen vom Hunnensturm in das etwa drei Minuten lange Musikvideo ein: Düster dreinblickende Reiter galoppieren auf ihren Pferden durch die Wüste, zücken den Säbel und lassen ihn auf ihre Feinde niederfahren. Die HESSEN DEPESCHE berichtete darüber vor einigen Tagen: https://www.hessen-depesche.de/äppelwoi-mehr/„osmanen-germania“-wollen-das-land-„übernehmen“.html.

Auch wenn die martialischen Gestalten in dem Video Kutten tragen, so handelt es sich bei den „Osmanen Germania“ nicht im einen Motorradclub. Die Truppe bezeichnet sich selber als „Boxclub“, hervorgegangen ist sie aus dem im April 2015 in Frankfurt am Main gegründeten „Osmanen Frankfurt Boxclub. Inzwischen verfügen die etwa 700 Mitglieder des Clubs bundesweit über rund 20 weitere Stützpunkte, sogenannte „Chapters“, mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen.

Wie in NRW, sehen sich die Behörden auch in Hessen derzeit nicht in der Lage, den „Osmanen“ organisierte Straftaten nachzuweisen, die ein Verbot nach dem Vereinsrecht rechtfertigen würden. Als Ende Mai letzten Jahres in einer Frankfurter Diskothek ein Gast zu Tode geprügelt wurde, nahm man drei Verdächtige fest, die dem dortigen „Osmanen-Chapter“ angehören sollen. Die zwei Hauptbeschuldigten wurden mittlerweile wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Wann der Prozess eröffnet wird, ist unklar. Vermutungen, dass hinter der Tat eine Machtdemonstration zwecks Schutzgelderpressung stehen könnte, erhärteten sich bislang nicht.

Der Club selbst streitet vehement ab, in kriminelle Aktivitäten verstrickt zu sein. Der Autor des Buches „Gangland Deutschland“ und Rocker-Experte Stefan Schubert schreibt hierzu: „Die Osmanen Germania weisen natürlich jegliche kriminellen Aspekte ihrer Gruppierung zurück. Als einen Beleg dafür ziehen sie eine ihrer 13 Regeln heran, nach denen bei ihnen offiziell ein Alkohol- und Drogenverbot herrscht.“ Um zu zeigen, dass man religiöse Gebote ernst nehmen, wurden Gruppenbilder veröffentlicht, die Mitglieder der „Osmanen“ vor einer Moschee der von Ankara gelenkten Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (DiTiB) zeigen. Für Schubert sind solche Bekundungen und Bilder jedoch alles andere als ein Beleg für die Friedfertigkeit der Migranten-Truppe.

Polizei- und Sicherheitsbehörden bewerten das Internet-Video der Gruppe als Kampfansage an andere Rocker-Clubs wie die „Hells Angels“. Zwar gibt es eine Art „Friedensabkommen“ zwischen den türkischen Boxern und den Motorradfahrern, doch dass diese Vereinbarung noch lange hält, erscheint angesichts des expansiven Vordringens der „Osmanen“ fraglich. Noch scheut man trotz beginnender Konflikte die offene Auseinandersetzung. „Einen in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Rockerkrieg konnte man nicht gebrauchen, er hätte in Deutschland den ohnehin deutlich erhöhten Druck von Polizei und Innenministerien auf die Szene noch weiter verstärkt und die Geschäfte gefährdet“, vermerkte dazu die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen verweist darauf, dass die Claims zwischen den Altrocker-Gangs abgesteckt seien. Die sogenannten „Bandidos“ sind vor allem im Ruhrgebiet aktiv, die „Hells Angels“ eher im Rheinland. In Duisburg überschneiden sich allerdings die Szenen – und genau dort treten nun auch die „Osmanen“ immer offensiver auf. Im Blick haben die Kriminalisten vor allem, inwiefern die Türken-Gang den „etablierten“ Clubs die gängigen Geschäfte streitig macht. Dies sind hauptsächlich Prostitution sowie Waffen- und Rauschgifthandel.

Letzte Änderung am Freitag, 26 Februar 2016 08:47
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